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Interview mit Thomas Deilmann, dem Architekten des DECK21 in Düsseldorf

9. Dezember 2020

Bereits vor ein paar Wochen haben wir über das Büroneubau-Projekt DECK TWENTY ONE berichtet, das mit seiner länglichen, schiffsähnlichen und sehr markanten Architektur sowie einem besonderen Wohlfühl-Ambiente eines der spannendsten Neubau-Projekte Düsseldorfs ist. Hinter dem außergewöhnlichen Konzept steckt der Düsseldorfer Architekt Thomas Deilmann von „Deilmann Architekten Stadtplaner, der uns in einem Gespräch mehr zum spannenden Projekt erzählt.  

Sie sind unter anderem auf den Bereich New Work spezialisiert. Was macht das Thema so spannend?

„New Work“ ist offensichtlich ein Sammelbegriff, unter dem jeder etwas anderes versteht. Vielleicht kann man es so zusammenfassen: „New Work“ beschreibt Veränderungen in unserem Arbeitsumfeld, die im Wesentlichen getrieben werden von den neuen Kommunikationsmedien (Handy, E-mail etc.) und Kommunikationsmethoden (Videokonferenzen u. a.). Aber natürlich auch soziale Entwicklungen, wie das veränderte gesellschaftliche Selbstverständnis zur Arbeit, haben ihren Einfluss auf die Einrichtung und den räumlichen Zuschnitt unserer Büros heute und morgen. Das Innere unserer neuen Büros mag auch hier und da die äußere Gestalt unserer Bürobauten beeinflussen. Das alles war auch für unsere Arbeit immer wieder Grund genug, sich intensiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen und neue Wege zu suchen, die Arbeitsumgebungen der Menschen vielfältiger und interessanter zu gestalten. Dabei ist es interessant zu beobachten, dass manche Büro-Designer und Arbeitgeber in ihrem Bestreben, es den umkämpften jungen Mitarbeitern nett und kuschelig zu machen, weit über das Ziel hinausschießen. In dem neuen Bürogebäude eines französischen Kosmetikkonzerns habe ich einen großen Ruheraum gesehen, der rundum mit eingebauten Schlafnischen, durch Vorhänge abtrennbar, versehen war. In den zwei Jahren seit Einweihung des Gebäudes sind die Schlafnischen wohl noch kein einziges Mal genutzt worden.

Was macht das Projekt DECK TWENTY ONE so einzigartig?

Das „Einzigartige“ des DECK TWENTY ONE ist letztlich das für den Architekten Selbstverständliche: Auch dieser Entwurf antwortet individuell auf den städtebaulichen Kontext und auf die Bedürfnisse der Menschen, die in diesem Haus arbeiten werden. Außerdem sollten Aspekte wie Nachhaltigkeit, technischer Komfort und Wirtschaftlichkeit in einem ausgewogenen Verhältnis integriert werden. Das Gesamtergebnis sollte einzigartig sein – ein anderer Ort und andere Anforderungen sollten folgerichtig auch zu einem anderen Entwurf führen.

Woher kam Ihre Inspiration für das Gebäude?

Über das sehr schmale, aber lange Grundstück verlief einmal die Gleisstrasse einer Gewerbebahn, die von der östlich gelegenen Düsseldorfer Nord-Süd-Bahnlinie kommend das hier angrenzende Gewerbegebiet erschloss. Zu Beginn unseres Entwurfsprozesses hatten wir die Idee, einen neuen Zug auf das imaginäre alte Gleis zu stellen. Aber irgendwann gewann der Entwurf eine Form, die an ein Schiff erinnert. Nicht ganz abwegig, denn von unserem Büro aus haben wir täglich den Blick auf den Rhein und auf die auf ihm fahrenden Rheinschiffe. So entstand dann ein Schiff mit Aufbauten und einem „Oberdeck“, das von einer Schiffsreling umgeben ist. Eine ältere Dame, die ein Haus in direkter Nachbarschaft bewohnt, und die offensichtlich ein Problem mit dem großen neuen Nachbarn hat, kleidete ihre Kritik in einem handgeschriebenen Brief in die Feststellung: „… Da hat ein eleganter Ocean Liner in einem kleinen Yachthafen fest angelegt. Ihrem Haus hätte ich mehr Raum und mehr Sichtbarkeit gegönnt“. Aber wo hat man das?

Was war die größte Herausforderung bei der Umsetzung?

Eine wirkliche Herausforderung gab es nicht. Die größte Herausforderung besteht für den Architekten in der Regel darin, seinem Auftraggeber eine Entwurfs-Idee zu „verkaufen“, die über die reine Minimierung der Investitionskosten hinausgeht. Die Auseinandersetzung mit einem fremden Bauherrn gab es beim DECK TWENTY ONE jedoch nicht, denn Bauherrn sind mein Freund und Geschäftspartner Josef Rentmeister und ich selbst. Mein Glück: Neben dem Bedürfnis für die strenge Kontrolle der Zahlen, hat Josef Rentmeister auch sehr viel Sinn für Kunst und Architektur. So waren wir uns einig: Geld in Architektur zu investieren zahlt sich auch bei der Vermarktung eines Gebäudes aus. Ein ansprechendes und unverwechselbares Bürogebäude macht Werbung für sich selbst, insbesondere wenn es darum geht, Mieter für die Büroflächen zu finden. So stellen wir mit Genugtuung fest, dass wir das Haus lange vor seiner Fertigstellung, sozusagen „vom Plan weg“, vermieten konnten. An zwei Mieter, für die die prägnante Architektur des DECK TWENTY ONE ein entscheidendes Kriterium war: Die Beratungsfirma MHP, eine Tochterfirma des Porsche-Gruppe, und die Marketingfirma Ranger, die zur Ströer-Gruppe gehört.

Warum Green Building?

Bereits im Jahre 2001-2003 haben wir das „Spherion“ als erstes „Green Building“ in Düsseldorf entworfen und gebaut (Architekten damals noch: Deilmann Koch). Das war lange bevor Investoren und Häusermakler überhaupt je einen Gedanken an nachhaltiges Bauen und Green Building verschwendet haben. Auf eine Zertifizierung unseres Gebäudes (z. B. durch den DGNB /Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, die es erst seit 2007 gibt) haben wir bewusst verzichtet, weil es unwirtschaftlich und unverhältnismäßig gewesen wäre. Eine Zertifizierung wäre für unser DECK TWENTY ONE mit einem Extra-Aufwand von ca. 200.000 € an DGNB-Lizenzgebühren und zusätzlichen Ingenieurhonoraren verbunden gewesen – für eine DIN A4-Urkunde etwas viel Geld. Nachhaltiges Bauen bedeutet für mich hauptsächlich energiesparendes Bauen, aber auch: Bewusst auf Technik dort zu verzichten, wo sie keinen Sinn macht. Wir nennen das „Lean Engineering“ (= schlanke Haustechnik). Das DECK TWENTY ONE wird über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Wärme und Kälte versorgt. Die in die Decken eingebaute BKT (=Bau-Kern-Temperierung) gehört für uns heute zum selbstverständlichen Standard. Sie verteilt im Winter die Wärme und im Sommer die Kälte auf eine angenehme und komfortable Weise im Gebäude. Gerne hätten wir zur Energiegewinnung eine Geothermie-Wärmepumpe eingesetzt. Leider verhindert das Düsseldorfer Umweltamt (im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Umweltämtern) jedoch seit Jahren systematisch den Einsatz der Geothermie-Technik, die bekanntermaßen noch sehr viel Ressourcen-sparender wäre.

Das Spehrion in Düsseldorf. Bild: Deilmann Architekten

Warum gehört Begrünung nicht längst zum Standard bei der Gebäudeentwicklung?

Für mich gehört eine Gebäude-Begrünung zum Standard. Die Eigenheit von Standards ist allerdings, dass sie sich nicht überall und immer einsetzen lassen. Auch hier gilt: Wo die Begrünung sinnvoll und machbar ist, sollte man sie umsetzen – wo nicht, sollte man es lassen. Erst recht darf man nicht erneut wieder eine Bauvorschrift daraus werden lassen – erste Ansätze dazu gibt es leider schon.

Was unterscheidet dieses Gebäude von Ihren restlichen Entwürfen?

Eigentlich nichts. Die zuvor schon beschriebenen Entwurfsprinzipien haben uns auch hier geleitet. Auf einen Aspekt bin ich jedoch schon gespannt, ob er sich so präsentieren wird wie gedacht: das ist das nächtliche Gesicht unseres DECK TWENTY ONE. Ich habe schon immer die Vorstellung, dass Gebäude sich auch bei Dunkelheit darstellen müssen, besonders in Städten, wo das Umfeld nun einmal durch die Gebäude geprägt wird. Warum soll man bei Dunkelheit an schwarzen Kästen vorbeilaufen oder vorbeifahren? Warum sollen nur Denkmäler nachts in Szene gesetzt werden? Schließlich ist die Beleuchtung von Gebäuden durch die sparsamere LED-Technik absolut bezahlbar geworden. Das DECK TWENTY ONE wird eine nächtliche Beleuchtung durch LED-Bänder bekommen, die in die waagerecht in die Fassade integrierten Sonnenschutz-Lamellen eingebaut wird. Die bronze-farbenen Lamellen werden das indirekt strahlende warme LED-Licht reflektieren und den „Teint“ der Fassade bei Dunkelheit hoffentlich vorteilhaft in Szene setzen.

Bild: DECK TWENTY ONE

Welche Veränderung beobachten Sie aktuell in der Architektur?

Ich sehe heute keinen einheitlichen oder beherrschenden Trend in der Architektur. Ich sehe allerdings sehr viel Uniformität. Fassaden von Bürogebäuden beispielsweise scheinen einem einheitlichen formalen Muster zu folgen – mit der Folge, dass unsere Städte sich weiter uniformieren. Dass mehr Bauherren sich dem nachhaltigen Bauen öffnen, ist bestimmt ein sehr positiver und erfreulicher Trend, auch wenn die Motivation meistens daher rührt, dass man verstanden hat, dass der Nachhaltigkeits-Stempel beim Vermarkten der Immobilien hilft.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Neubau-Projekt „Jakobshof“ in Düsseldorf. Bild: Wohngut Grimm Immobilien GmbH

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Titelbild: DECK TWENTY ONE